Violetta Khachikyan | Klavier

FUGENPASSION

Violetta Khachikyan | Klavier

Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Klaviersonate Nr. 31 As-Dur op. 110
Felix Mendelssohn (1809–1847)
Fuge cis-Moll MWV U 51
Fuge Es-Dur MWV U 57
Robert Schumann (1810–1856)
Vier Fugen op. 72
César Franck (1822–1890)
Prélude, Choral et Fugue
Karol Szymanowski (1882–1937)
Präludium und Fuge cis-Moll
Sergei I. Tanejew (1856–1915)
Präludium und Fuge gis-Moll op. 29

Total 80:54
GWK 147 / 2020

Vielfältig, abenteuerlich, berührend und poetisch: Violetta Khachikyan legt unter dem Titel „Fugenpassion“, der dem Tagebuch Clara Schumanns entstammt, ein Konzept-Album mit romantischen Fugen vor. Nur die anspruchsvollste musikalische Form, die Fuge, konnte die romantische Sehnsucht nach seelischer Entgrenzung und umfassender Harmonie erfüllen. Ihr Studium gehörte, nach der Wiederentdeckung Bachs, im 19. Jh. zur musikalischen Ausbildung. Die Strenge und Klarheit der Fuge konzentrierte und disziplinierte die Komplexität der Gefühle – und die Fugenform selbst veränderte sich. Das lässt die vielseitige Konzertpianistin, gefeierte Kammermusikpartnerin und Preisträgerin internationaler Wettbewerbe in ihrer „Fugenpassion“ eindrucksvoll nachvollziehen. Beethovens Klaviersonate op. 110 und Francks Prélude, Chorale et Fugue, eins der anspruchsvollsten spätromantischen Werke, gipfeln in einer Fuge, die als Ziel, emotionale Lösung und zusammenfassendes Finale erscheint. Eigenständig sind die Fugen Schumanns und Mendelssohns. Schumann nannte sie „Charakterstücke nur in strengerer Form“, die ihm Gelegenheit zu einer „völlig neuen Art des Komponierens“ boten. Vor jugendlicher Energie, Freiheit und Fantasie sprühen die Fugen Mendelssohns. Hohe Virtuosität erfordert Tanejews Präludium und Fuge. Ist seine musikalische Sprache spätromantisch, so ist die Konstruktion traditionell. Allerdings verändert er die barocke Form von Präludium und Fuge stark, kontrastiert beide Teile stilistisch und macht sie voneinander unabhängig. „Das Paar Präludium und Fuge von Szymanowski bleibt für mich am geheimnisvollsten.“ (Khachikyan) In seiner Fuge gibt es kein „Flüchten“ der Themen, stattdessen Erschöpfung und Sehnsucht, Verlorenheit zwischen den Tonarten. „Die Emotionen“, so Khachikyan, „werden dringlicher als die Form der Fuge, die Fuge wird so die optimale Ausdrucksform der Gefühle.“

Violetta Khachikyan ist eine viel­seitige Konzertpianistin und gefeierte Kammermusikpartnerin, „eine wahre Meisterin der Klangfarben” (Westdeutsche Zeitung). Ge­boren in Krasnodar (Südrussland), studierte sie unter anderem am staatlichen Rimski-Korsakow-Konservatorium in Sankt Petersburg bei Prof. Tatiana Zagorovskaja und an der Musikhochschule Lübeck in der Klasse von Prof. Konstanze Eickhorst, wo sie das Konzertexamen absolvierte.
Violetta Khachikyan ist Gewinnerin des Euro­päischen Klavierwettbewerbs Bremen und Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe wie des George Enescu-Musikwettbewerbs Bukarest (2. Preis), des Maj Lind Wettbewerbs Helsinki (3. Preis) und des Scottish International Piano Wett­bewerbs in Glasgow. Wichtige künstleri­sche Impulse erhielt sie von Willem Brons, Dmitri Baschkirow, Karl-Heinz Kämmerling, Pavel Gililow, Paul Badura-Skoda und Leon Fleisher. 2007 legte Violetta Khachikyan ihre erste Solo-CD im Rahmen eines Stipendiums des Lions Clubs Deutschland vor. In Kooperation mit Radio Bremen folgte eine Einspielung mit Wer­ken von Rachmaninow, Schumann, Scarlatti und Wilfried Hiller. Ende 2017 ist eine weitere Solo-CD von ihr mit Romanzen und Humoresken von Schumann und Theodor Kirchner erschienen.
Sie konzertiert in Europa, Japan und Brasilien und arbeitete u. a. mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra, den Helsinki Philharmonics und den Bremer Philharmonikern, dem Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck und dem Akademischen Symphonischen Orchester Sankt Petersburg zu­sammen. Zahlreiche Konzertauftritte führten sie etwa zum Beethovenfest Bonn, zum Schleswig-Holstein Musikfestival, zum Aarhus International Piano Festival und zum Brahms-Festival in Lübeck. Als Kammermusik­partnerin tritt sie regelmäßig mit jungen Ensembles im Konzerthaus Berlin und in der Berliner Philharmonie auf und arbeitet mit renommier­ten Musikern wie Jens Peter Maintz, Troels Svane, Konstantin Heidrich und Sebastian Klinger zusammen.
Gegenwärtig unterrichtet Violetta Khachikyan an der Musikhochschule Lübeck und an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig.